Forschungspraxis
Konzeptinterviews auswerten: Was bedeutet „Klingt gut“ wirklich?
Verständnis, konkrete Erfahrungen, Nutzungsabsicht und tatsächliche Schritte auseinanderhalten. Mit einem fiktiven Beispiel und einer anpassbaren Forschungsvorlage.

„Klingt gut“ verdient eine genauere Nachfrage
Konzeptinterviews zeigen, wie Menschen einen Vorschlag verstehen, zu welchen Erfahrungen er passt und was einer Nutzung im Weg stehen könnte. Lob und erklärte Nutzungsabsichten allein belegen weder Käufe noch dauerhafte Nutzung oder Marktgröße.
„Das klingt praktisch. Würde ich wahrscheinlich nutzen.“ Darüber freut man sich. Beim Lesen des Transkripts würde ich trotzdem kurz innehalten: Hat die Person dieselbe Funktion verstanden, die wir bauen wollen? Ist das Problem kürzlich tatsächlich aufgetreten? Was hat diese Antwort ausgelöst? Aus dem freundlichen Ton lässt sich das nicht ablesen.
Der Methodenleitfaden von NN/g unterscheidet Einstellungen und Verhalten. Aussagen und Handlungen beantworten unterschiedliche Fragen. Meinungen sind hilfreich, solange die Schlussfolgerungen nicht über sie hinausgehen.
Als Beispiel dient ein Assistent für Spesenabrechnungen. Alle Personen, Zitate und Ereignisse sind erfunden. Sie illustrieren die Methode und beschreiben weder Kundenforschung noch Funktionen von ScribeFlash.
Festhalten, was die Teilnehmenden gesehen haben
Angenommen, auf einer Konzeptkarte steht: „Belegfotos hochladen und die Unterlagen für die Spesenabrechnung automatisch sortieren.“ Alex antwortet: „Prima, dann muss ich die Ausgaben nicht mehr von meiner Führungskraft genehmigen lassen.“
Das Team will Unterlagen ordnen. Alex erwartet, dass die Genehmigung entfällt. Eine Zusammenfassung wie „Automatische Abrechnung kommt gut an“ würde dieses Missverständnis verschlucken.
Notiere für jedes Interview die Konzeptversion, Reihenfolge der Darstellung, einleitenden Worte, zusätzliche Erklärungen und die erste Beschreibung der Person. Wird die Karte während der Studie geändert, markiere die Version. Antworten auf unterschiedliche Darstellungen gehören nicht ohne Kennzeichnung in denselben Vergleich.
Eine hilfreiche Frage lautet: „Welchen Teil der Arbeit würde das aus deiner Sicht übernehmen?“ Lass die Person antworten, bevor du erklärst. Halte Antworten vor und nach einer Klarstellung getrennt fest. Das ursprüngliche Missverständnis ist selbst ein Befund.
Von der Nutzungsabsicht zu einer konkreten Erfahrung
Wenn Alex die Abrechnung mühsam findet, frage nach der letzten Einreichung. Was geschah zwischen dem Sammeln und dem Abschicken der Belege? Vielleicht fehlte am Freitagnachmittag ein Taxibeleg, der später zu Hause in einem Nachrichtenanhang gesucht werden musste.
Damit hast du eine konkrete Situation. Es bleibt zunächst eine Erzählung über vergangenes Verhalten. Solange du den Ablauf oder passende Aufzeichnungen nicht gesehen hast, solltest du ihn nicht als direkte Beobachtung beschreiben.
Mögliche Nachfragen sind:
- „Welcher Teil gefällt dir daran?“ So wird klar, worauf sich das Lob bezieht.
- „Wie hast du den fehlenden Beleg damals beschafft?“ Damit untersuchst du die bisherige Lösung.
- „Was hätte sich bei genau dieser Abrechnung geändert, was wäre gleich geblieben?“ Das macht einen Einsatzpunkt sichtbar.
- „Was müsstest du wissen, bevor du es mit eigenen Unterlagen ausprobierst?“ Das klärt Bedingungen für einen Versuch.
Vermeide „Automatisches Sortieren würde dir sicher viel Zeit sparen, oder?“. Der Interviewleitfaden von GOV.UK empfiehlt neutrale Fragen zu konkreten Erfahrungen. Auch eine Antwort, die dem angenommenen Nutzen widerspricht, hilft weiter.
Unterschiedliche Arten von Material getrennt erfassen
Diese Tabelle ist eine Hilfe für die manuelle Auswertung. Die Kategorien sind keine Bewertungen, die ScribeFlash automatisch vergibt.
| Material aus dem fiktiven Beispiel | Angemessene Einordnung | Was daraus nicht folgt | | --- | --- | --- | | „Mit dem Foto ist die Genehmigung erledigt.“ | Verständnis weicht vom vorgesehenen Umfang ab | Richtige Einordnung und Zustimmung | | „Letzte Woche habe ich einen Taxibeleg gesucht.“ | Berichtete Erfahrung aus jüngster Zeit | Direkte Beobachtung des gesamten Ablaufs | | „Nach dem Start würde ich es wohl nutzen.“ | Geäußerte Absicht | Anmeldung, Zahlung oder wiederholte Nutzung | | Findet die Funktion zum Nachreichen im Prototyp nicht | Beobachtung unter dokumentierten Testbedingungen | Erfolgsquote des späteren Produkts | | Vereinbart einen Test am Dienstag und nimmt tatsächlich teil | Ein erfolgter nächster Schritt | Kaufbereitschaft oder langfristige Bindung |
Ein Satz kann mehrere Informationen enthalten. Zerschneide ihn nicht so stark, dass sein Zusammenhang verloren geht. Bewahre Teilnehmercode, Interviewquelle und Konzeptversion beim Zitat auf. Einen Aufnahmezeitpunkt ergänzt du nur, wenn er tatsächlich vorliegt.
Lies auch die weniger begeisterten Antworten. Die ebenfalls erfundene Person Sam berichtet, dass das vorhandene Firmensystem Belege bereits erkennt. Schwierig sei herauszufinden, welche Ausgaben erstattet werden. Das betrifft das Verständnis von Regeln. Im Sammelthema „Einfachere Abrechnung gewünscht“ würde dieser Unterschied verschwinden.
Eine konkrete Aufgabe für die nächste Runde formulieren
Für unser Beispiel könnte der Befund lauten:
Alex verstand das Ordnen von Unterlagen als Wegfall der Genehmigung. Sam verfügt bereits über Belegerkennung. Ob automatische Sortierung einen Wechsel rechtfertigt, ist noch offen. Wir überarbeiten die Beschreibung und untersuchen das Beschaffen fehlender Belege sowie das Prüfen der Regeln getrennt.
Das gibt dem Team etwas zu tun. Soll das Verständnis geprüft werden, zeige neuen Personen die überarbeitete Karte und lass sie den Vorschlag erklären. Geht es um das Erledigen einer Aufgabe, brauchst du einen bedienbaren Prototyp. Geht es um Zahlung, müssen Preis, Leistungsumfang und Testbedingungen klar sein, bevor du tatsächliche Entscheidungen beobachtest.
Eine E-Mail-Adresse hinterlassen, einen Test buchen, teilnehmen und bezahlen sind verschiedene Handlungen. Halte sie getrennt fest. Frage auch nach Gründen für ausgebliebene Schritte. Fehlende Unterlagen, ein Terminproblem oder keine Einkaufsbefugnis bedeuten etwas anderes als fehlender Bedarf. Nach der Analyse sollte klar sein, welcher Beleg als Nächstes am meisten fehlt.
Die Vorlage für Konzeptfeedback in ScribeFlash verwenden
Interviews und Prototyptests organisierst du separat. ScribeFlash hilft beim Arbeiten mit importierten Materialien und Befunden. Ob das Konzept umgesetzt wird, entscheidet weiterhin das Team.
- Öffne die Vorlage für Konzeptfeedback und melde dich bei Aufforderung an. Name, Ziel und vier Forschungsfragen sind vorbelegt. Sie betreffen Verständnis, aktuelle Situationen, Bedenken und widersprechende Antworten.
- Vergib einen konkreten Namen, etwa „Spesenassistent V1: Konzeptinterviews“. Passe Ziel und Fragen an die anstehende Entscheidung an und speichere das Projekt. Das sind Analysefragen; für das Gespräch selbst eignet sich ein eigener Leitfaden.
- Importiere die Interviews in das Projekt. Vorhandene Transkripte können über den Textimport hinzugefügt werden. Entferne unnötige identifizierende Angaben und verwende einheitliche Teilnehmercodes. Dokumentiere Konzeptversionen und Präsentationsbedingungen ebenfalls in deinen Forschungsunterlagen.
- Prüfe Textstellen, an denen ein Fehler die Aussage verändern würde, besonders Verneinungen und Bedingungen. Übernimm beim Zusammenstellen von Belegen den Kontext und ordne sie der passenden Forschungsfrage zu.
- Öffne nach dem Generieren oder Zusammenstellen der Befunde die zugehörigen Belege. Suche nach Vermutungen, die wie Fakten formuliert sind, und nach fehlenden Gegenbeispielen. Passe die Reichweite der Aussage an, bevor eine forschende Person den Befund bestätigt.
- Übernimm bestätigte Befunde in den Bericht und ergänze offene Fragen sowie die nächste Forschungsaufgabe. Der Leitfaden für Forschungsberichte hilft dabei. Generierter Text weist keine Marktnachfrage nach; die Begründung jeder Entscheidung bleibt erforderlich.
Falls die Interviews noch bevorstehen, prüfe die Forschungsvorlagen und passe die Fragen an dein Vorhaben an. Eine konkrete Entscheidung hilft dabei, das Gespräch zu führen und die Antworten später zu verwenden.
Quellen
Das Spesenbeispiel, die Auswertungstabelle und die vorgeschlagenen Folgeaufgaben wurden zur Erläuterung entwickelt. Sie sind keine tatsächlichen Forschungsergebnisse.
Mit der Vorlage für Konzeptfeedback beginnen
Konzeptversion und Interviewmaterial zusammenstellen, Forschungsfragen anpassen und jede Schlussfolgerung an ihren Quellen prüfen.
